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Wer ist Sedat Peker

Sedat Peker ist ein typischer faschistischer Mafiaführer in der Türkei. Er gehört nicht zu der älteren Generation von Mafiosi, die in den faschistischen Terror verwickelt waren, der das Land in den 1970er Jahren gegen die sozialistische Bewegung überzog. Er wurde 1971 geboren und gehörte zu einer Familie, die aus der Provinz Rize stammt, der Heimatstadt von R. T. Erdoğan.

Er wurde in den 1990er Jahren aktiv. Es war eine Dekade, in dem der Staat überwiegend Mafiabanden als Repressionsapparate einsetzte. Unzähligen Morde, deren Täter nie gefasst wurden, Mafiaüberfälle, Drohungen und Entführungen, meist gegen die kurdische Bewegung, revolutionäre Gruppen und linke Intellektuelle prägten die 90-er-Jahre tief. Peker, der als „ülkücü“ bekannt wurde (der Begriff, mit dem sich die Faschisten in der Türkei identifizierten), war an der türkischen Konterguerilla-Organisation Gladio beteiligt. Es war schon damals bekannt, dass er schon Anfang 90-er-Jahre von einem kommandierenden General der Konterguerilla-Organisation ausgewählt und ausgebildet wurde. In den folgenden Jahren zeigte er, dass er auch begabt darin war, die sich bietenden Gelegenheiten zu nutzen und sich einen Vermögen zu schaffen.

Der erste große Prozess gegen ihn stand im Zusammenhang mit der Ermordung eines Schmugglers in Rize im Jahr 1997. Zwei seiner Männer wurden verurteilt, während er freigesprochen wurde. Im selben Jahr war er an der Ermordung eines Barmanns in İstanbul beteiligt. Mehrere ähnliche Fälle folgten bald. Nachdem sich diese in gewissem Umfang häuften, verließ er die Türkei und kehrte sieben Monate später aufgrund einer Versöhnung mit der Polizei zurück. Er blieb nur acht Monate lang im Gefängnis. Bemerkenswert ist, dass die meisten seiner kriminellen Aktivitäten während der Amtszeit von Mehmet Ağar und Meral Akşener als Innenminister stattfanden, was die beiden nach Pekers Enthüllungen in eine umstrittene Position brachte. Vor allem Akşener, heute Vorsitzende einer rechten Oppositionspartei, die mit der CHP (Republikanische Volkspartei, die wichtigste oppositionelle sozialdemokratische Partei) verbündet ist, wurde von Peker unterstellt, in den 90er Jahren mit ihm im Zusammenhang mit dem Barmann-Mord zusammengearbeitet zu haben.

Als er seine Aktivitäten fortsetzte, wurde er 2004 zusammen mit anderen Mafiosi, die ebenfalls mit der MHP verbunden waren, erneut verhaftet. Zehn Jahre später, im Jahr 2014, wurde er frühzeitig freigelassen. Er erklärte sofort, dass er mit den politischen Entwicklungen im Land Schritt halten würde.

Und bald kam seine Unterstützung für die Regierung und die Regierungspartei, die AKP. Zu diesem Zweck organisierte er öffentliche Versammlungen. Einige dieser Versammlungen nahmen die Form von politischen Kundgebungen an, bei denen er Reden zur Unterstützung der Regierung hielt. Er erklärte offen seine Verehrung für Präsident Erdoğan und traf sich sogar einmal mit ihm. In der Zwischenzeit wurde er unter Erdoğans Lieblingsprominenz, zu der prominente Sänger, Schauspieler und Journalisten gehörten, populär und erhielt von der Tageszeitung Milliyet, die zu den bürgerlichen Massenmedien gehört, die Auszeichnung „Wohltätigster Geschäftsmann“.

Er machte es sich zur Gewohnheit, verschiedene Teile der Opposition zu bedrohen. In einer seiner öffentlichen Reden drohte er den Akademikern, die eine Petition zur Beendigung der Angriffe der Regierung in den kurdischen Provinzen unterzeichnet hatten, indem er sagte, dass „ihr Blut fließen wird und wir in ihrem Blut baden werden.“ In seinen jüngsten Videos behauptet er, dass „er es nicht so gemeint hat“. Er demonstrierte auch öffentlich seine Verbundenheit mit bestimmten religiösen Sekten, die eng mit der AKP verbunden sind. Er ging sogar so weit zu sagen, dass AKP-Anhänger sofort zu den Waffen greifen sollten, um einen möglichen Sieg der Opposition bei den Wahlen 2019 zu verhindern.

Ende 2018 begannen sich die Dinge für ihn zu verschlechtern. Seine Beziehungen zu den Regierungskreisen schwächten sich ab, vor allem mit der Entlassung eines anderen faschistischen Mafiaführers und einer wichtigen Gladio-Persönlichkeit namens Alaattin Çakıcı aus dem Gefängnis. So fiel Peker bei bestimmten Cliquen innerhalb der AKP und des Staates definitiv in Ungnade, so dass er sich nicht mehr sicher fühlte und 2020 ins Ausland ging. Über Montenegro, Kosovo und Marokko flüchtete der Mafiaführer schließlich in die Vereinigten Arabischen Emirate. Hier begann er am 2. Mai mit der Veröffentlichung von Youtube-Videos, in denen er über „die Ungerechtigkeit ihm gegenüber“ spricht.

Peker stand kurz davor, erneut interniert zu werden, doch er ging 2020 ins Ausland. Anscheinend versucht er sich in der Landkarte der politischen Allianzen in der Türkei zu verorten.