TKP – Zentral Komitee

Wir werden den Angriff auf die Koedukation stoppen

Unter Bildungsminister Yusuf Tekin wird die Koedukation, also die gemeinsame Beschulung von Mädchen und Jungen, weiterhin gezielt angegriffen. Tekin hat mit seinen Erlassen die Schulen religiösen Orden und Gemeinschaften ausgeliefert, die Schulpflicht ins Visier genommen und die Lehrpläne weiter reaktionär ausgerichtet. Zuletzt erklärte er: „Wovon befreien wir uns eigentlich? Davor gab es schließlich das große Osmanische Reich“ und bereitet nun offenbar vor, den Befreiungskrieg aus dem Lehrplan zu streichen.

Heute titelte eine regierungsnahe Zeitung: „Der Irrweg des Jahrhunderts muss beendet werden“ und forderte: „Die Koedukation muss abgeschafft werden.“
Den Mut zu einem solchen Vorstoß nimmt die Zeitung „Yeni Akit“ ganz offensichtlich von Bildungsminister Yusuf Tekin.

Bereits vor einigen Monaten hatte Tekin behauptet, manche Eltern würden sagen: „Ich möchte mein Kind nicht mit Jungen auf dieselbe Schule schicken.“ Tekin erklärte daraufhin: „Was ist nun mein vorrangiges Ziel als Bildungsministerium? Dafür zu sorgen, dass Mädchen zur Schule gehen. Um die Eltern davon zu überzeugen, müssen wir deshalb, wenn nötig, auch reine Mädchenschulen eröffnen können. Wenn die Eltern es wünschen, sollen sie ihr Kind auf eine Mädchenschule schicken können oder auf eine Schule, die auch von Jungen besucht wird.“

Tekin nimmt einerseits die Schulpflicht ins Visier und behauptet andererseits, ihm bereite es Sorgen, wenn Mädchen nicht zur Schule gehen. Damit sagt er nicht die Wahrheit.

Nach den von der türkischen Bildungsgewerkschaft Eğitim-İş veröffentlichten Daten besuchten im Schuljahr 2023/2024 in der Türkei rund 612.814 schulpflichtige Kinder keine reguläre Schule. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum stieg diese Zahl um 38,4 Prozent. Schätzungen zufolge ist sie inzwischen noch deutlich höher und liegt bei über 800.000.

Ebenfalls nach Angaben von Eğitim-İş sind 53,6 Prozent der Kinder, die keine Schule besuchen, Jungen und 46,4 Prozent Mädchen. Jungen brechen die Schule meist aus wirtschaftlichen Gründen ab, weil sie arbeiten müssen. Mädchen hingegen werden vor allem durch Zwangsverheiratungen in jungen Jahren, häusliche Verpflichtungen und reaktionäre gesellschaftliche Verhältnisse von der Bildung ferngehalten.

Verantwortlich für diese Zustände sind die herrschende Ordnung, in der wir leben, und ihre Vertreter wie Minister Tekin.

Doch inzwischen ist die Bedrohung noch weitaus größer als angenommen.

Im vergangenen Jahr wurde im Ankaraner Bezirk Çankaya, an einer Schule im Stadtteil Dikmen, eine weiterführende Schule ausschließlich für Mädchen eröffnet. Dieser Schritt stieß auf heftigen Widerstand. Später stellte sich heraus, dass dies keineswegs auf die Hauptstadt beschränkt war.

Inzwischen wurden in insgesamt acht Städten weiterführende Schulen ausschließlich für Mädchen eröffnet. Die Koedukation ist damit bereits massiv ausgehöhlt worden.
Mit ihren Schlagzeilen fordern die regierungsnahen Medien die AKP nun dazu auf, noch einen Gang zuzulegen.

Dieser reaktionäre Angriff muss zurückgeschlagen und dieser Vorstoß, der sich gegen die Republik und den Laizismus und vor allem gegen die Kinder richtet, muss gestoppt werden.