TKP – Zentral Komitee

Wir müssen uns die gestohlene Republik zurückholen!

Die Republik kann nur dann bestehen, wenn die Menschen in unserem Land von ihrer eigenen Arbeit leben, ihre Rechte erhalten und sich und ihren Familien ein glückliches Leben aufbauen können. Wenn unsere Kinder und älteren Menschen Grund zur Freude haben.

Unser tatsächliches Leben hat wenig mit den glanzvollen Werbefilmen zu tun, die große Konzerne an Feiertagen veröffentlichen. Darin überschütten einige Großkapitalisten und Profiteure die unter großen Opfern errichtete Republik mit hohlen Lobeshymnen. Damit wollen sie davon ablenken, dass sie ihren Reichtum auf dem Leid unserer Bevölkerung aufgebaut haben. Die Wahrheit ist: Sie haben uns die Republik gestohlen.

Wer heute die Wiedererrichtung der Republik fordert, muss deshalb vor allem gegen diese Diebe kämpfen. Eine neue Republik muss eine Republik der Werktätigen sein. Die Republik muss zu einem politischen Programm werden, hinter dem sich unsere Arbeiterklasse, die inzwischen jeden Bissen zählen muss, unsere Rentner, Studierenden, Bauern und Kleingewerbetreibenden vereinen. Ein Programm, das der Herrschaft der Ausbeuter ein Ende setzt und an ihre Stelle die Macht des Volkes stellt. Dieses Programm muss allen Bürgerinnen und Bürgern von Geburt an ein Leben in Sicherheit und Wohlstand uneingeschränkt garantieren.

Nur wenn wir die Republik wiederaufbauen, können wir die Sicherheit, die soziale Absicherung und die Zukunft zurückgewinnen, die wir verloren haben.

Wir müssen uns endlich aufrütteln und den Tatsachen ins Auge sehen.

Wir müssen die Lüge von einer „vernünftigen“ Bourgeoisie oder einem „gezähmten“ Kapitalismus ein für alle Mal zurückweisen.

Die Welt, in der wir leben, wird für diejenigen, die mit ihrer Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen, für die Werktätigen, immer mehr zur Hölle.

Die Zerstörung der Republik lässt sich nicht aufhalten, solange wir unsere Hoffnungen auf den imperialistischen Westen setzen und nicht bereit sind, mit der Kapitalistenklasse zu brechen.

Während ihrer Regierungszeit hat die AKP dem republikanischen Widerstand schwere Schläge versetzt, um ihn zu unterdrücken und einzuschüchtern. Leider waren diese Angriffe auch erfolgreich. Es gelang nicht, einen starken Widerstand aufzubauen, der sich auf die eigentlichen Grundlagen der republikanischen Werte, auf die Errungenschaften des Volkes und auf die Idee der Gleichheit stützte. Die republikanischen Kräfte ließen sich in die künstlich geschaffenen politischen Lager der AKP drängen und akzeptierten, den Kampf entlang der von ihr vorgegebenen Konfliktlinien zu führen.

Auch uns ist es leider nicht gelungen, breiten Teilen der Gesellschaft die Erkenntnis zu vermitteln, dass die Republik nur verteidigt werden kann, wenn wir den Kampf gegen das Großkapital aufnehmen, das von der Beseitigung der republikanischen Errungenschaften profitiert.

Dieser Rückschritt war möglich, weil dem Widerstand eine Klassenperspektive fehlte.

Die Konterrevolution hätte nur innerhalb der Gesellschaft, im Klassenkampf, aufgehalten werden können. Die Verteidigung der republikanischen Revolution durfte nicht Institutionen überlassen werden, von denen angenommen wurde, sie stünden über den Klassen – etwa dem Militär, der Justiz oder der Bürokratie.

Entscheidend war der Klassenkampf. Doch genau diese einfache Wahrheit wurde übersehen.

Wir verstehen die Sorgen und die Wut unserer republikanisch gesinnten Mitbürgerinnen und Mitbürger, die heute aus Verzweiflung ihre Hoffnungen auf die etablierte Politik setzen. Denn auch heute wird diese einfache Wahrheit übersehen und der Klassencharakter der Regierung und der Konterrevolution ignoriert.

Doch wir müssen einander die Wahrheit sagen: Innerhalb der kapitalistischen Ordnung gibt es weder eine neue politische Kraft, die die Türkei auf einer neuen Grundlage wiederaufbauen und retten könnte, noch eine politische Linie, die eine wirkliche Alternative zur AKP darstellt. Solange die kapitalistische Ordnung fortbesteht, ist die Republik zur Niederlage verurteilt.

Dabei können wir diese Niederlage verhindern. Wir können den Rückschritt aufhalten.

Wir können der Fäulnis, die sämtliche Schichten der Gesellschaft erfasst, der reaktionären Finsternis und dem moralischen Verfall ein Ende setzen.

Gemeinsam können wir eine Republik für das Volk errichten.

Wir können uns von der Kapitalistenklasse befreien, die auf Kosten der Werktätigen lebt und mit der großen Mehrheit der Bevölkerung nicht einmal mehr das geringste Gemeinschaftsgefühl verbindet, weil ihre Interessen inzwischen völlig auseinandergegangen sind.

Wir können ein Land aufbauen, in dem alle Menschen gemeinsam für dieselbe Sache kämpfen und sich gemeinsam befreien. Diese gemeinsame Befreiung wird die Grundlage für eine neue Brüderlichkeit schaffen. Wir werden einen Frieden errichten, der nie wieder gebrochen wird.

Für unser Land, für unsere Arbeiterklasse und für unsere Sache wollen wir die Republik – konsequent und bis zum Schluss. Und wir wissen es, und auch ihr sollt es wissen: Nur wenn die Werktätigen an der Macht sind, kann die Republik wieder Wirklichkeit werden.

An diesem 29. Oktober werden wir uns vielleicht alle ein wenig verwaist fühlen.

Doch wir bündeln jeden Tag mehr Kräfte für unser republikanisches Programm. Wenn wir uns zusammenschließen und gemeinsam den Kampf aufnehmen, werden wir beginnen, unsere Republik wiederaufzubauen. Dabei liegt ihre Zukunft in den Händen unseres werktätigen Volkes, das allein die Republik bewahren kann.

In dieser Entschlossenheit grüßen wir alle Heldinnen und Helden des Befreiungskrieges und der Gründung der Republik, die armen Bauern Anatoliens, die patriotischen Intellektuellen und Offiziere sowie Mustafa Kemal Atatürk, der diesen Kampf anführte!